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Dauerstress hat negative Auswirkungen auf unser Gehirn PDF Drucken E-Mail
Oktober 2007

Dauerstress hat negative Auswirkungen auf unser Gehirn

 

Dauerstress kann den Menschen nicht nur auf das Herz und den Magen, sondern auch auf den Kopf bzw. auf das Gehirn schlagen. Der Konstanzer Psychologie-Professor Thoma Elbert erforscht schon seit geraumer Zeit, wie sich unter sozialem Druck das Gehirn verändert. Die erschreckende Erkenntnis aus den bisherigen Forschungsergebnissen: Dauerstress lässt das Gehirn eines Menschen schrumpfen!

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er Schweiß fließt in Strömen, das Herz rast wie verrückt und der Magen brennt wie Feuer: Mit solchen ganz klassischen Stresssymptomen drängen immer mehr Akademiker in die Arztpraxen. Keiner von ihnen aber sitzt im Wartezimmer und stöhnt dabei: Autsch, mein Gehirn tut so weh.

Ausgerechnet beim wichtigsten Organ wirkt sich der Dauerstress so schleichend aus, dass die betroffenen Menschen es zuerst gar nicht merken. Dabei sind Forscher wie der Konstanzer Psychologie-Professor Dr. Thomas Elbert, gestützt auf ihren Forschungsergebnissen, sich längst sicher: Dauerstress hat im Gehirn dramatischere Folgen als bisher immer allgemein von den Medizinern angenommen worden ist.

Die bei Dauerstress entstehenden Stresshormone beeinflussen nicht nur den Körper, lösen etwa Zittern, Erschöpfungszustände etc. aus, sondern verändern auch das Gehirn.

"In gewissen Bereichen unseres Gehirns schrumpft nachweisbar die Struktur und die Verästelungen werden weniger“, sagt Professor Thomas Elbert, der Mitglied einer Forschergruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu dem Thema Stress ist. Die Psychologen vertrauen längst nicht mehr nur auf Befragungen der betroffenen Patienten, weil dies heutzutage alleine für eine Beurteilung absolut nicht mehr ausreichend ist.

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it der modernsten Diagnosetechnik schauen sie heute den Menschen und Tieren ins Gehirn. Sie haben dabei weniger die Stressauslöser im Visier. Entscheidend für die Folgen sei die Reaktion auf diese, sagen sie. Die Fähigkeit, sich anzupassen, ohne sich kaputt zu machen.

Unter Stress verändert sich das Gehirn

Ein Wissenschaftler müsse etwa Vorlesungen vorbereiten, mit Kollegen diskutieren, anderswo Vorträge halten und auf Flughäfen herumsitzen, sagt Elbert. Gefordert sei in unserer heutigen modernen Gesellschaft ständige Anpassung an eine sich permanent rasant verändernde Umwelt.
"Ich muss meinen Denkstil immer wieder hin und herschalten. Das ist eine ernstzunehmende Belastung, der Gehirn und Körper nur begrenzt standhalten können“, erklärt Professor Thomas Elbert. Dabei kommt es auf die Dosis an: „Ein wenig Stress ist gut, dann verästeln sich die Gehirnzellen besser.“ Dauerstress beinhaltet jedoch eine ernstzunehmende Gefahr für den Menschen.

Bei Dauerstress oder extremen, traumatischen Ereignissen schlägt der zuvor genannte günstige Effekt jedoch ins Gegenteil um. Zum Beispiel bei einem Menschen, der ständig hin und hergerissen wird. „Am Anfang wirkt er nur zerstreut, am Ende reagiert er aus individueller Angst heraus“, beschreibt Professor Thomas Elbert die Folgen bei Dauerstress.

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och die Angst rational in den Griff zu bekommen, ist nicht so einfach, wie es oft angenommen und vielen Patienten auch von Ärzten vermittelt wird. Das Gehirn ist von der Evolution genau auf das Gegenteil trainiert. Haften bleiben Lehren aus Situationen, sagt Professor Thomas Elbert, nicht aber die exakten Fakten zu den einzelnen Situationen. Niemand muss wissen, wann er einmal in seinem Leben auf eine heiße Herdplatte fasste, es reicht völlig aus, dass sich lediglich in seinem Gehirn eingeprägt hat: Achtung, heiß!

Ein Muster, das sich einprägt: Ist das Gehirn unter beständigem Beschuss von Stresshormonen, verändert es sich. Jener Teil des Gehirns, der für die Gedächtnisleistung zuständig ist, nimmt ab.

Besser vernetzt werden jene Bereiche, die Furcht und Angst erzeugen, etwa die Kerne der Amygdala, und den Körper so ständig in eine Alarmstimmung halten.

Genau darum sei es eben wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren, sagt Professor Thomas Elbert. Denn dies entscheide darüber, ob eine Situation als Stress empfunden werde oder nicht.

Anpassung kostet Kraft: Ständigen Wechsel zwischen kalt und heiß überleben Tiere weniger lang als nur heiß oder kalt. Ein Effekt, der nicht nur bei körperlicher Belastung eintritt, auch anhaltender sozialer Druck hat erhebliche Folgen.

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ei Affen beeinträchtigt der dauernde Kampf um die soziale Stellung innerhalb der Gruppe die Funktion und Struktur der für das Gedächtnis relevanten Bereiche des Gehirns, wie etwa des Hippocampus. Beim Menschen sind ebenso Folgen nachweisbar. „Wir beobachten massive Effekte“, sagt Professor Thoma Elbert. „Das gilt dann auch für geistige Leistungen.“

 

Letzte Aktualisierung ( November 2007 )
 
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