Startseite arrow Fachbeiträge arrow Bildgebung bei der Fibromyalgie
Bildgebung bei der Fibromyalgie PDF Drucken E-Mail
Mai 2008

 

Ergebnisse der funktionellen und strukturellen Bildgebung bei der Fibromyalgie.

Die Schmerzforschung kennt vielfältige Ursachen- und Einflussfaktoren für die Entstehung und Aufrechterhaltung von akuten und chronischen Schmerzen. Das Bio-Psycho-Soziale Modell ermöglicht daher eine individuelle Diagnostik der einzelnen Faktoren bei jedem Betroffenen.

Bei gesunden Menschen konnte die Schmerzforschung mit Hilfe der funktionellen Bildgebung zeigen, dass verschiedene Gebiete im Gehirn für die Schmerzwahrnehmung von Bedeutung sind. Auch ließ sich nachweisen, dass die Aktivität dieser Schmerzareale durch psychosoziale Faktoren beeinflusst wird; auch dass Schmerzareale bereits durch die Vorstellung oder Erwartung eines Schmerzes aktiviert werden können.

Bei Patienten mit einem Fibromyalgiesyndrom (FMS) wurde gezeigt, dass Patienten nicht nur Schmerzsensibler sind, sondern dass die Schmerzareale im Gehirn früher und stärker aktiv sind als bei Gesunden. Dies konnte bereits in der Phase der Schmerzerwartung gezeigt werden.

In eigenen Studien an der Klinik und Poliklinik für Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Münster konnte nachgewiesen werden, dass im Verlauf eines „tonischen“ Schmerzreizes (d.h. ein experimenteller Schmerz, der über einen Zeitraum von ca. 30 Minuten rasch auf ein Schmerzmaximum ansteigt und langsam wieder absinkt) Patienten mit einem FMS in Schmerzarealen, die für die kognitive-emotionale Verarbeitung notwendig sind (=mediale Schmerzsystem), andere Aktivitätsmuster zeigen, als dies bei gesunden Kontrollen der Fall ist. Veränderungen in diesen Gehirngebieten ließen sich bereits in der Phase der Schmerzerwartung zeigen und beeinflussen das nachfolgende Schmerzerleben. Im Vergleich zu gesunden Menschen konnte bei Patienten auch eine Verringerung an Gehirnvolumen in Gebieten des medialen Schmerzsystems gezeigt werden. Zusammenfassend geben diese Ergebnisse Hinweise, dass bei der Fibromyalgie das mediale Schmerzsystem in seiner Funktion und Struktur verändert ist. Ob dies beim Fibromyalgiesyndrom Ursache oder Folge des chronischen Schmerzerlebens ist, lässt sich derzeit nicht abschließend entscheiden und wird in nachfolgenden Studien geklärt werden.

 

Dr. M. Burgmer
Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Psychosomatik und Psychotherapie
Uniklinikum Münster
Domagkstr. 22
48149 Münster
Letzte Aktualisierung ( Mai 2008 )
 
< zurück   weiter >
© 2017 Fibromyalgie-Liga Deutschland e.V.
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.