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Juli 2009

 

Fibromyalgie:

 
Mehr Lebensqualität bei

 
chronischen Schmerzen


Multimodales Behandlungskonzept entscheidet



Chronische Schmerzen des Bewegungsapparates sind heute für viele Menschen „normaler“ Bestandteil ihres Alltags. Zur Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen setzt sich bei den behandelnden Ärzten je nach Kenntnis der heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse mehr und mehr das so genannte „Multimodale Behandlungskonzept“ bei Fibromyalgie-Patienten durch.


Bislang wurden wechselhafte und in ihrer Intensität unterschiedliche Körperschmerzen unbekannter Ursache oft fälschlicherweise als „Weichteilrheumatismus“ eingeordnet und auch dementsprechend behandelt. In vielen Fällen mit fatalen Folgen für die Fibromyalgie-Betroffenen. Erst 1990 wurde der Begriff Fibromyalgiesyndrom als eine neue Kategorie für derartige Beschwerden geschaffen und aus Unkenntnis über die Pathogenese der Erkrankung leider auch im Krankheitskatalog der WHO unter der Rubrik „Rheumatische Erkrankungen“ als „andere rheumatische Erkrankung“ aufgenommen und somit zumindest auch als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt.

Leider herrscht jedoch auch heute noch keine Einigkeit in medizinischen Kreisen darüber, ob es sich bei dem Fibromyalgiesyndrom um eine Erkrankung handelt, die zum neurologischen, psychiatrischen oder psychosomatischen Fachgebiet zuzuordnen ist. Mehr ist man sich augenscheinlich heute aber darüber einig, dass diese Erkrankung nicht dem Rheumatischen Formenkreis angehört.


Das Fibromyalgie-Syndrom ist eine chronische Erkrankung und äußert sich durch Schmerzen in der Muskulatur, an den Sehnenansätzen sowie in den Knochen im gesamten Körper. Hierbei sind unterschiedliche Körperpunkte hoch druckempfindlich. Eine genaue Ursache für die Erkrankung ist bis heute noch nicht vollständig geklärt – jedoch wird heute mehr und mehr davon ausgegangen, dass diverse anhaltende stärkere Stressoren dazu führen, dass das Schmerzverarbeitungssystem nachhaltig in seiner normalen Funktion gestört ist. Die Hinweise auf diese Annahme sind mittlerweile durch einige seriöse Studien auch bestätigt worden. An häufigsten sind Frauen im mittleren Lebensalter von dieser Erkrankung betroffen. Aber auch Männer und sogar Kinder können diese Erkrankung haben.


Für die Betroffenen kommt erschwerend hinzu, dass die Anzahl von Spezialisten, die sich mit der Erkrankung richtig auskennen und mit den adäquaten Behandlungsmethoden vertraut sind, relativ zur Verbreitung der Erkrankung sehr gering ist. Immer wieder klagen Betroffene darüber, dass sie von den Ärzten mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen werden und vielen, teils wirkungslosen Therapien ausgesetzt werden. Dieses nicht ernst nehmen der Erkrankung ist nicht zuletzt auch ein Grund dafür, warum es bei der überwiegenden Zahl der Betroffenen bis zur Diagnose von Fibromyalgie im Durchschnitt bis zu sieben Jahren dauert, was angesichts des schweren Verlaufs bei fehlender adäquater Therapie dieser Erkrankung ein absolut unhaltbarer Zustand ist.


Die Behandlung des Fibromyalgiesyndroms erfolgt über ein so genanntes multimodales Therapiekonzept, das unterschiedliche Therapiemaßnahmen kombiniert. Man weiß heute, dass sowohl körperliche als auch psychische, genetische, hormonelle und soziale Faktoren Einfluss auf die Entstehung der Beschwerden haben. Aus diesem Grunde ist es notwendig und sinnvoll, mit einem so genannten multimodalen Behandlungskonzept auf möglichst viele dieser Faktoren einzuwirken.


Neben der medikamentösen Therapie sind es vor allem die Informationen über die Erkrankung, Verhaltenstherapie und psychologische Schmerzbewältigung, die zum Erfolg führen. Ganz wichtig ist es aber auch, dass der jeweilige Grad der Chronifizierung der Patienten bei allen Maßnahmen Berücksichtigung findet. Ergänzt wird das Behandlungsprogramm durch physikalische Therapiemaßnahmen einschließlich Bewegungstherapie und Ausdauertraining, aber auch Entspannungstechniken und Akupunktur.


Keine dieser Maßnahmen für sich alleine betrachtet ist ausreichend, um den Patienten ein weitestgehend normales Maß an Lebensqualität zu ermöglichen. Erst die Gesamtwirkung mehrerer oder gar aller genannten Therapieformen erreicht für viele Betroffene eine deutliche Beschwerdebesserung und einen Zugewinn an Lebensqualität. Dies zeigen heute die vielen Erfahrungen in diesem Bereich.


Informationsdefizite sowohl bei Allgemeinmedizinern als auch bei Fachärzten müssen dringend ausgeglichen werden. Aber auch Patienten müssen über Informationen, Schulung und Bewusstseinsbildung vermehrt eingebunden werden, um einen Therapieerfolg sicherzustellen.

 
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